©Innenleben

 

                                                           * * *

Es geht hier,

um das, was an allen Wällen unerträglich ist; dies, über meine ganz persönlichen Erfahrungen empfunden.

Es geht auch und vor allem um das Weggehen und um das Ankommen, um ein Heimatfinden und das Heimischwerden – um ein Nachdenken über Heimat,

weil es um (ein) Herkommen  geht.

Es geht also auch, nein primär, um Akzeptanz, also um das Recht auf Eigenwilligkeit und Eigensinn, letztendlich das Recht auf Individualität.

Es geht somit um Existenz … und um Behausbarkeit.

Ich beschreibe – sehr wohl auch – die Hetze und das gehetzt werden. Das, so wie ich es sehe, gilt für viele, wenn nicht für (fast) alle – und fast unerträglich geworden, in dieser Zeit.

Im Buch … wollte ich dieses auch Beschreiben. In Form und Tempo.

Heimat …

ist dort, wo man Warmherzigkeit findet – und dieser auch begegnet.

(…)                                                 

W I E N

(Hommage   an   Friedrich  Achleitner

Ich war aber vorerst Teilnehmer in einem Film – ich noch ohne Profil – mit kaum herzeigbaren Fotos, ich, der keine Lieblingsbücher nennen konnte. Kurz gesagt ich war hier noch wie zufällig, in Wien, mich noch oft wie auf einem Dating fühlend, von dem ich nichts wusste, weil ich noch kaum etwas darüber kannte.

Viele Menschen handeln erst nach gesammelten Erfahrungen, ich nicht.

Damals, und auch heute nicht; da braucht’s keine Prognose mehr.

Ich hatte damals nicht – absolut nicht – die Fähigkeit etwas einzuschätzen, auch das nicht, was ich gehört hatte.

Realität, Erwartung, Lücken dazwischen, und Fehler: Alles Dinge eines noch Fremdbestimmten: Ich.

Was stimmte mich zuversichtlich – stimmte mich das etwas überhaupt? – Sodass ich Vertrauen an was ich – da in Wien – tat hätte gewinnen können?

Nichts spricht von einem Beweis, es hätte auch wieder (nur) eine kurze Geschichte werden können.

Fallstudien beim Werdegang?: Um diese Sache herum muss man alles selber erfinden, vertrauend, als Lebensprobant, auf etwas Vorstellungsvermögen, das Schritt für Schritt Themen des Lebens zu schreiben ermöglicht.

Beziehungen – auch zu den Menschen knüpfen.

Subjekte – Karikaturen – Darstellungen… immer wieder Probleme erfahren, die dann lösen. Um zu etwas Wissen zu gelangen. Wenn dies dann auf diese Weise nicht geht, über Wissen zumindest was lesen, zumindest irgendwelche Artikel darüber.

Würde man mich interviewen, würde ich sagen, ich hätte mir damals am liebsten all das auf der Haut tätowiert, sodass es flink zu mir gehörte und hätte es ohne groß verinnerlichen zu müssen salopp herumgetragen und ich hätte über die vielen und aber vielen Fragen lächeln können, die nach gescheiten Antworten schrien.

Nein, nein, ich war schon etwas stark und suchte in den Mitteln der Ästhetik nun etwas an Imposanzgehabe, auch, ja, im Aussehen, in dieser noch jungen neuen Phase. In der diesen, in der ich bislang nur erreicht hatte, dass es passierte, als würde ich mich mitten auf einem Fußballfeld befinden, wartend auf den, auf einen Anpfiff, bereits schon hoffend, nicht zu verlieren – noch nicht an Exklusivität denkend, aber hoffend, Qualität zu erreichen.

Wo aber der Unterschied in allem und zu allem, was bisher in meinem Leben gewesen?

Spezielle Themen großwerden zu lassen lag mir noch fern. Von Schlagzeilen und Artikeln über mich und mein Tun träumte ich (noch) nicht, beides hatte auch mit dem, was unmittelbar bevorstand, nichts zu tun, nichts war auch nur mit einem Hauch von solchen Ansprüchen konfrontiert.

Das Einzige was ich höchstens mir erlaubt hätte vorzustellen, war eine etwas glänzendere Lebenszeit, eingebaut diese in einen etwas höheren ökonomischen Rang.

Juwelen, Schmuck und üppige Luxus-Federn, Überselbstbewusstsein, als Träger meiner Wichtigkeit, wie Attribute der Persönlichkeit, diese extrem betonend, waren auch nichts für mich – weil ich sie damals (ich war, wie sehr viele, damals so drauf) für in Säcken abgefüllte Asche hielt.

Fragen, die mich und mein „wahres Ich“ betrafen beharrten auf keine Antworten.

Aber auch nur so lange das, bis der Grund, der extreme, überprüft werden konnte, warum ich – als soziale Auswirkung meiner vorhergehenden Art zu sein – mich hier jetzt, in einem leeren Seelenraum befand.

Über mich selbst nachdenkend erfuhr ich zunehmende Bedeutungslosigkeit. Und fürchtete, dass diese von der Gesellschaft um mich herum wahrgenommen würde.

Mein Seelen-Urerlebnis war es also, dass ich mich selbst, das erste Mal – und hier in Wien – hie und da als Individuum grau und unbedeutend fand.

In diesen Momenten litt ich für wahr – aber dies war nicht genug, denn ich hatte, zudem, auch niemanden im Grunde als Vorbild, der mir den Wunsch vermittelte, wie ich wirklich sein sollte.

Es ist der Sinn des Selbst anscheinend, selbst drauf zu kommen.

Einem Kult des körperlichen Zustands unterwarf ich mich aber nie.

Mein Körper, sein Zustand, und „etwas tun“ als Form des Sozio-Physiologischen-Wechsels, Appelle aussendend und Zeichen setzend, dass ich als Mensch in meiner Individualität wahrgenommen hätte werden sollen … also, das war nicht, eigentlich nie, mein Anliegen und mein Weg.

Es galt als keinerlei Zeichen eines Protests, dass ich eine oberflächliche Definition von Körper besaß und die Einzigartigkeit in die Welt der Ideen verlagert wissen wollte.

Aber nein, da war nichts an mir beängstigend: Ich war ein Proband in einer noch für mich unverständlichen Umgebung und Welt, der Beziehung, eine möglichst jetzt positive, zwischen allem und den Menschen übte, und hatte, das ja stark, Interesse an neuen Informationen.

Themen und Informationen waren ab da jetzt doch wichtig; ich musste sie nicht wählen, sie kamen in Fülle auf mich zu.

Ich war, auf der Akademie und im Leben, ein Teilnehmer, der nun Unwissenheit, durch die Folgen der Veränderung, mit Kontrolle austauschen wollte. Diese bittend sein Leben – das bis hierher eher verstümmelt – frei von Fahne und Zugehörigkeit, in Freiheit also, die Schritte tun zu lassen, die – zwar, oder weil, jetzt komplexer – ich dann nicht mehr stornieren hätte wollen.

Mein Lebenssymbol schien sich mit einem „Für-immer-und-immer“-Hauptmerkmal schmücken zu wollen, das, als Verbindung zwischen der gewesenen Bedeutungslosigkeit und Kompensation und der jetzigen Einkerbung und Prägung, nicht mehr entfernt werden sollte.

Ich war ein durch Zufall Rekrutierter, der nicht genau wissend, durch welchen Schmerz vorher gestochen, jetzt mit einer drastischen Kette an neuen Bildern, neuem Habitus und Lebensstil und viel Mobilität immer schärfer die Notwendigkeit, innen groß zu werden, spürte.

Ein neues „Zuhause“, eine neue Gesellschaft um mich herum, einen vermeintlich jetzt sicheren Platz, sinngeladene Beschäftigung, die Zugehörigkeit, wie in einer großen Familie, zu einer einschlägigen Gemeinschaft, versprachen Identitätserlangung.

War ich doch weitgehend mein ganzes Leben, bis hierher nach Wien, so unterwegs gewesen, dass es egal war, dass von mir als Individuum nicht viel davon übrigblieb.

Eine Beichte diese, die nur für die Dauer des Lesens dieses Satzes gilt – und nicht länger als für heute bis zur guten Nacht.

Der Verlust meiner alten Identität, so stellte es sich heraus, würde mich auf modernere Formen des „Jetzt geht’s (mit Kohärenz und einen Hauch von erreichter Sicherheit) unter die Haut“, einstimmen können.

Ein Haus, fürs Erste nun frei von Identität, war jetzt für wahr mehr ein neuer Körper für mich, als ein Haus.

Etwas war hier in Wien bereits verinnerlicht, fast wie neue Muttermilch, die direkt in diesen meinen neuen Körper griff, und das eben „unter die Haut“ gehend.

Ja, ich war bereit mich zu ändern, dies dauerhaft und endgültig.

Die Frage war, wie dies nun mit Sicherheit schaffen!?: Die Veränderung als nun dauerhaftes Element meiner (neuen) Persönlichkeit. Die jetzt, jetzt möglichst unauslöschlich, in den neuen Gefühlen des Ausdrucks meiner Identität zugeordnet war, damit sie ihren eindeutigen Ausdruck fand.

Gefühle, die heute, wo ich hier schreibe, auch immer noch die gleichen in mir sind.

(…)

Ich musste damals gleich zu Neujahr für eine Prüfung eine Abhandlung über meine Intentionen beim Studium abliefern.

Ich schrieb folgendes:

Ein Teil von mir ist Maler.

Wenn ich in die Farbe gehe, überfallen mich diese Gedanken: Wenn ich ein Werk von mir betrachte, dann habe ich den Jetzt-Zustand eines Prozesses vor Augen, der auf die Entstehung dieses Kunstwerkes zielte und der mit dieser sichtbaren Lösung abgeschlossen ist.

Alles, was davorliegt, die Blickstrecke zwischen Einfall und Realisierung, ist in diesem Kunstwerk enthalten, aber für viele Betrachter nicht nachvollziehbar.

Was würde eigentlich geschehen, wenn da eine leere Leinwand wäre, wenn ich dadurch auf eine makellos weiße Papierfläche oder meinen Malgrund blicken würde.

Wie käme die Idee aus dem Kopf auf diese Leinwand, aufs Papier?

Vielleicht würde ich einfach anfangen, oder aber womöglich zögern, so, als ob ich eine unbezwingbare Berührungsangst überwinden müsste. Ich könnte natürlich irgendwo beginnen und hoffen, dass mir der/ein Zufall weiterhilft. Wenn das schiefgeht? Korrekturen wären eine Möglichkeit, die Wege zu multiplizieren.

Die Schriftsteller haben es also bei Korrekturen leichter, James Joyce hat zwischen und neben den bereits gedruckten Zeilen der Fahnenabzüge halbe Kapitel seines Ulysses neu formuliert, mit nachträglichen Veränderungen.

Für mich als Maler ist mein Malgrund, das handgeschöpfte feinste Papier, kostbar und somit wertvollste Inspiration, die zum Bildträger wird. Und ich verhalte mich geistig-seelisch ganz stark neutral zu diesem Werkstoff. Je nach der Mischung der Ursubstanzen ist die Grundierung heller oder dunkler, transparenter oder opaker, auf jeden Fall aber wird die Fläche atmosphärisch aufgeladen und es ist, als würde ich dann in die luftige Unendlichkeit hineinmalen.

Und das ist durchaus kein von malerischen Tatbeständen abgehobener Lyrismus, denn durch die unfassbar lichte und farbfrohe Aura dieses Bildträgers gewinnt die Malfläche eine unbestimmbare Tiefe, aus der die Farben nach vorn, auf mich Betrachter zu, sich bewegen, abgelöst vom Grund, auf dem sie schweben.

Die Art und Weise, wie ich dieses Material, mit dem ich Kunst entstehen lasse, präpariere, lässt den Schluss zu, dass die sorgfältige Zubereitung der Bildfläche als entscheidendes Vorspiel zum eigentlichen Schaffensprozess aufzufassen ist.

In dieser Phase baut sich eine Beziehung auf zwischen mir und der Arena meines unmittelbar bevorstehenden Werkegestaltens.

Das grundierte Feld verhält sich nicht mehr neutral, durch die leichte Tönung liegt eine schwer bestimmbare Stimmung im Äther, die ich assoziativ einzukreisen versuche. Mit reinen und auch tiefen Empfindungen.

Wenn ich in dieser Färbung drinnen bin, mische ich mich beim Malen nicht ein, komme nicht dazwischen, sondern folge nur meinen Empfindungen.

Malerei aus Empfindung teilt sich direkt mit, ohne den Umweg über die Abbildung, was allerdings nicht heißt, dass dieser Art von Malerei die Wirklichkeit abhandenkommt.

Kunst und mein Gelebtes reflektieren meine Welt-Erfahrung und sie ist schon deshalb in irgendeiner Weise immer gefärbt von der Wirklichkeit. Auch wenn sich die aus Farben und Formen entstandenen Bilder der Wirklichkeit nicht direkt auf einen wahrnehmbaren Gegenstand bezieht.

Was also, konkret, ich gerade darstelle, ist durchaus gegenständlich lesbar, vorausgesetzt, man sucht nicht das Falsche: Ich beschreibe nämlich nicht Dinge, sondern gebe das emotionale Erlebnis bei der Begegnung mit diesen Dingen wieder.

Fantasie lässt sich auch anders stimulieren, sie kann auf meine momentane Lebensstimmung reagieren oder auf eine Zukunftsvision, die mir im Kopf herumgeht.

Auch sind es Sätze, die mich beschäftigen.

Auch der Jean Cocteaus: „In der Kunst gibt es keine andere Ebene als die der Liebe.“ – ein Plädoyer gegen die kalte Perfektion und für das emotionale Meisterwerk.

Ein Kunstwerk, das seinen Ursprung hat in psychischer Erregung, besitzt aus der Empfindsamkeit des Künstlers gespeiste Energien, die sich übertragen auf den Betrachter.

So mache ich Cocteau zu meinem Cicerone, der mich, wie einst Vergil Dante, bei meinen Erkundungen der realen und imaginären Wirklichkeit ständig begleitet – und der Gedanke verwandelt sich in ein Bild, welches aber besitzt, wovon der Gedanke nur träumt: eine eigene, eine eigenständige Wirklichkeit.

Wie jeder von uns.

(***)

 Erzähle ich von mir, dann schreibe ich hier nicht über einen, der auf der Welt viel erreichte, der große Dinge oder Herausragendes vollbrachte, sondern will von einem Menschen erzählen, der den größten Teil seines Lebens um Akzeptanz und Anerkennung ringen musste. Für seine Art zu sein, seine Motivation und für alles, was er tat. Ich erzähle von Unsicherheit – die in Sachen Seinsberechtigung bereits in meiner Geburtsstunde gegenwärtig war, da ich um ein Haar meine Geburt nicht überlebt hätte.

War ich folglich ein Schwächling? Nein, ein Kämpfer; um alles musste ich kämpfen, vieles habe ich mir hart erkämpfen müssen und für alles dachte ich, kämpfen zu sollen.

Das tat ich akribisch. Manchmal mit dem Prädikat „übertrieben“.

(…)

Das Manuskript – mit seinen 226 Seiten – ist (nun) fertig.

Ivo R Sief-Røten, am 29.03.2019

 

„GRANATAPFEL_©-(copyright)-INNENLEBEN“Werdung  Roman

 

Aus der Musik:  tempo andante con moto – in crescendo:

Immaginäres Deckblatt (ohne Anspruch auf Endgültigkeit):

granat2

Das bin ich:

 

ich ..... reith

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Ivo_Rossi_Sief

und das

http://www.ivo-rossi-sief.at

und das

https://drive.google.com/file/d/1QCJcbtIo8UnMKj7PL9LqtlzGBIuYSyZx/view

und das

https://drive.google.com/file/d/1QCJcbtIo8UnMKj7PL9LqtlzGBIuYSyZx/view

und

http://www.ejournal.at

(Klick auf  „literatur.primär“ oder „ak.tu.ell“ – links ganz oben)

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20180924_100555

Die Arbeit am Buchprojekt wurde durch Arbeitsstipendien

über das

Bundeskanzleramt Österreich / bmukk / Abt.Literatur

Amt für Kunst und Kultur des Landes Tirol

Amt für Kunst und Kultur Magistrat Stadt Innsbruck

subventioniert.

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