©Innenleben

Heimat
ist dort,
wo man Warmherzigkeit findet – und dieser auch begegnet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ivo_Rossi_Sief

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W  I  E  N

(Hommage  Friedrich Achleitner – der mein Professor war

Wir alle haben dutzende Talente (nein, bin gerade nicht bei Beuys), aber wir müssen uns von diesen verabschieden, wenn man uns zwingt, uns für ein (fremd)b e s t i m m t e s Leben zu entscheiden. Demnach mit Masken und Verkleidungen dann eben jemanden anderes sein. Ohne dagegenzusprechen. Und Regeln dieses Spieles würden zeigen, was am Spiel befreiend zu sein verspricht.

Eigentlich hat die Vernunft die Menschen nie wirklich glauben lassen, dass, wenn man nur genügend hinschaut, von der Kunst Heilendes, Heilkräfte ausgehen. Auch nicht, wenn sich der Doktor Beuys nannte, der ohne eine ärztliche Approbation dies behauptete. Dieses in irgendeiner Kunstzeitschrift gelesen, schüttelte ich den Kopf.

Aber nachdem ich die Tatsache annahm, dass durch verschiedene gespielte Charaktere ich mehrere Seiten von mir besser zeigen konnte, schlüpfte ich genau auf diese Weise, als scheinbarer Rollenspieler, auf der Akademie in meine künstlerische Leistung.

Nur abseits der geschützten Studienarena, in der Schwere des Alltags, machte eine Maske nichts einfacher, da zählte es Charaktereigenschaften an den Tag zu legen, die behilflich waren um zu verstehen, was ich wirklich im wahrhaftigen Leben haben wollte.

Drei – plus sieben weitere – Gebots-Tafeln, damit ich mich als Magier-Allmächtigmann ausgeben hätte können?

Ich hatte nie größenwahnsinnige Neigungen oder Ziele.

Von höheren Zielen – davon, na gut – träumte ich ja schon.

Viereinhalb Jahre lang war ich auf diese Weise auf der Akademie am Schillerplatz unterwegs.

Während ich in den Räumen der Meisterklasse, wo ich meinen festen Arbeitsplatz und Tisch hatte, also so gekleidet war, sah man mich ganz anders antanzen in der Arena des Aktzeichnens, und wieder anders dort, wo es um die Farblehre ging, oder in den Stunden um die Angewandte Kunst, des Goldenen Schnittes, Gestaltung … et cetera.

Und ich, in der Rolle meines Onkels, klatschte, wenn die jeweilige Aufgabe fertig war, ein „Wirklich ausgezeichnet!“ äußernd auf den Tisch. Meistens auf Englisch.

Die Verstärkung meines Tuns und Lernens gelang besser, wenn ich mir dieses Lob später von anderen ausgerufen vorstellte; dies vorweg genießend.

Im Speisesaal, in der Mensa der Akademie, gingen immer zwei der großen Lords umher, zwei Professoren, um zu grüßen, gekleidet damals meist in Pullundern … für diese lockeren Tischgespräche.

Flüchtige Worte wie unter alten Bekannten, nicht ohne die Absicht, das Notwendige oder das Interessante an den simplen Beobachtungen zu fixieren.

Bei diesem lockeren Austausch während der Mahlzeiten war auch Gelegenheit, über intimpersönlichere Dinge befragt zu werden, solche los zu werden.

Und alles immer eine gute Lektion. Nie in kommerzielle Ausdrücke gepackt.

Das war für mich bei jedem Essen dort im Raum, wo es nach Speisen roch und der Wirrwarr der Stimmen lebendig schallte, so als ob ich wie ein Kind dabei war, in mich selbst das von mir selbst nachzufüllen, das nur ich vorher (bevor ich nach Wien kam) von mir kannte.

Mit dem unzweifelhaften Versuch hier so klar, also so sehr Klartext zu sprechen, wie nur möglich.

In der Regel um mich in diese Welt, die keine imaginäre mehr war, nun regelrecht hineinzustürzen. Kopf- und auch Herz-Sprung.

Im Akademie-Kontext nahmen nicht alle Gruppen von Spielern am selben Rollenspiel teil: Städtebauer, welche die aus alten Vorhängen Bühnenbilder zauberten, Badezimmer-Einrichter, liebe Kreaturen in der Goldschmiedeklasse und so weiter; der ganze Cirque du Soleil der talentierten gehobenen Kreativität zum untereinander Austauschen verfügbar: Alle so wie sie waren rund um die Uhr in ihrer eigenen Verkleidung bleibend, in der Rolle, die sie gewählt hatten.

Welch eine, in meinen Augen, lebenswichtige Mischung aus kunsttheatralischer Improvisation – und sehr wohl Genialität. Die Teilnehmer für die Eroberung von Einfallsreichtum von Nah und Fern – also auch aus unterschiedlichen Ländern – hierhergereist.

Ich war bestimmt nicht an diesen Ort im Geiste und de facto hier her übersiedelt, um Bildchen- und Bildermalen zu lernen, oder „nur“ um zu begreifen, wie man bessere – ästhetisch besser, weil akademische – Häuser am Reißbrett komponiert.

Nein.

Man präsentierte Situationen und Konflikte die kulturell-landschaftlich reizvoll waren und von Bedeutung.

So kam zum Beispiel jemand in die Lektion, um ihre/seine kulturkontroverse Vorstellung innerhalb der Studentenfamilie vorzutragen, seine anderen und neuen Rollenvorstellungen der Gruppe mitzuteilen, damit es mit den anderen (Studierenden) dann ein Protokoll, einen Text, ein Manifest ergab.

Darin als Ergebnis nur das Thema der Austauscherfahrung um die Frage: Was würden Sie, wenn Sie diese Person wären, denken? Wie würden Sie denn reagieren?

Und so wurden wir einfühlsam.

Und ich verstand andere.

Ich war aber vorerst Teilnehmer in einem Film – ich noch ohne Profil – mit kaum herzeigbaren Fotos, ich, der keine Lieblingsbücher nennen konnte. Kurz gesagt ich war hier noch wie zufällig, in Wien, mich noch oft wie auf einem Dating fühlend, von dem ich nichts wusste, weil ich noch kaum etwas darüber kannte.

Viele Menschen handeln erst nach gesammelten Erfahrungen, ich nicht.

Damals, und auch heute nicht; da braucht’s keine Prognose mehr.

Ich hatte damals nicht – absolut nicht – die Fähigkeit etwas einzuschätzen, auch das nicht, was ich gehört hatte.

Realität, Erwartung, Lücken dazwischen, und Fehler: Alles Dinge eines noch Fremdbestimmten: Ich.

Was stimmte mich zuversichtlich – stimmte mich das etwas überhaupt? – Sodass ich Vertrauen an was ich – da in Wien – tat hätte gewinnen können?

Nichts spricht von einem Beweis, es hätte auch wieder (nur) eine kurze Geschichte werden können.

Fallstudien beim Werdegang?: Um diese Sache herum muss man alles selber erfinden, vertrauend, als Lebensprobant, auf etwas Vorstellungsvermögen, das Schritt für Schritt Themen des Lebens zu schreiben ermöglicht.

Beziehungen – auch zu den Menschen knüpfen.

Subjekte – Karikaturen – Darstellungen… immer wieder Probleme erfahren, die dann lösen. Um zu etwas Wissen zu gelangen. Wenn dies dann auf diese Weise nicht geht, über Wissen zumindest was lesen, zumindest irgendwelche Artikel darüber.

Würde man mich interviewen, würde ich sagen, ich hätte mir damals am liebsten all das auf der Haut tätowiert, sodass es flink zu mir gehörte und hätte es ohne groß verinnerlichen zu müssen salopp herumgetragen und ich hätte über die vielen und aber vielen Fragen lächeln können, die nach gescheiten Antworten schrien.

Nein, nein, ich war schon etwas stark und suchte in den Mitteln der Ästhetik nun etwas an Imposanzgehabe, auch, ja, im Aussehen, in dieser noch jungen neuen Phase. In der diesen, in der ich bislang nur erreicht hatte, dass es passierte, als würde ich mich mitten auf einem Fußballfeld befinden, wartend auf den, auf einen Anpfiff, bereits schon hoffend, nicht zu verlieren – noch nicht an Exklusivität denkend, aber hoffend, Qualität zu erreichen.

Wo aber der Unterschied in allem und zu allem, was bisher in meinem Leben gewesen?

Spezielle Themen großwerden zu lassen lag mir noch fern. Von Schlagzeilen und Artikeln über mich und mein Tun träumte ich (noch) nicht, beides hatte auch mit dem, was unmittelbar bevorstand, nichts zu tun, nichts war auch nur mit einem Hauch von solchen Ansprüchen konfrontiert.

Das Einzige was ich höchstens mir erlaubt hätte vorzustellen, war eine etwas glänzendere Lebenszeit, eingebaut diese in einen etwas höheren ökonomischen Rang.

Juwelen, Schmuck und üppige Luxus-Federn, Überselbstbewusstsein, als Träger meiner Wichtigkeit, wie Attribute der Persönlichkeit, diese extrem betonend, waren auch nichts für mich – weil ich sie damals (ich war, wie sehr viele, damals so drauf) für in Säcken abgefüllte Asche hielt.

Fragen, die mich und mein „wahres Ich“ betrafen beharrten auf keine Antworten.

Aber auch nur so lange das, bis der Grund, der extreme, überprüft werden konnte, warum ich – als soziale Auswirkung meiner vorhergehenden Art zu sein – mich hier jetzt, in einem leeren Seelenraum befand.

Über mich selbst nachdenkend erfuhr ich zunehmende Bedeutungslosigkeit. Und fürchtete, dass diese von der Gesellschaft um mich herum wahrgenommen würde.

Mein Seelen-Urerlebnis war es also, dass ich mich selbst, das erste Mal – und hier in Wien – hie und da als Individuum grau und unbedeutend fand.

In diesen Momenten litt ich für wahr – aber dies war nicht genug, denn ich hatte, zudem, auch niemanden im Grunde als Vorbild, der mir den Wunsch vermittelte, wie ich wirklich sein sollte.

Es ist der Sinn des Selbst anscheinend, selbst drauf zu kommen.

Einem Kult des körperlichen Zustands unterwarf ich mich aber nie.

Mein Körper, sein Zustand, und „etwas tun“ als Form des Sozio-Physiologischen-Wechsels, Appelle aussendend und Zeichen setzend, dass ich als Mensch in meiner Individualität wahrgenommen hätte werden sollen … also, das war nicht, eigentlich nie, mein Anliegen und mein Weg.

Es galt als keinerlei Zeichen eines Protests, dass ich eine oberflächliche Definition von Körper besaß und die Einzigartigkeit in die Welt der Ideen verlagert wissen wollte.

Aber nein, da war nichts an mir beängstigend: Ich war ein Proband in einer noch für mich unverständlichen Umgebung und Welt, der Beziehung, eine möglichst jetzt positive, zwischen allem und den Menschen übte, und hatte, das ja stark, Interesse an neuen Informationen.

Themen und Informationen waren ab da jetzt doch wichtig; ich musste sie nicht wählen, sie kamen in Fülle auf mich zu.

Ich war, auf der Akademie und im Leben, ein Teilnehmer, der nun Unwissenheit, durch die Folgen der Veränderung, mit Kontrolle austauschen wollte. Diese bittend sein Leben – das bis hierher eher verstümmelt – frei von Fahne und Zugehörigkeit, in Freiheit also, die Schritte tun zu lassen, die – zwar, oder weil, jetzt komplexer – ich dann nicht mehr stornieren hätte wollen.

Mein Lebenssymbol schien sich mit einem „Für-immer-und-immer“-Hauptmerkmal schmücken zu wollen, das, als Verbindung zwischen der gewesenen Bedeutungslosigkeit und Kompensation und der jetzigen Einkerbung und Prägung, nicht mehr entfernt werden sollte.

Ich war ein durch Zufall Rekrutierter, der nicht genau wissend, durch welchen Schmerz vorher gestochen, jetzt mit einer drastischen Kette an neuen Bildern, neuem Habitus und Lebensstil und viel Mobilität immer schärfer die Notwendigkeit, innen groß zu werden, spürte.

Ein neues „Zuhause“, eine neue Gesellschaft um mich herum, einen vermeintlich jetzt sicheren Platz, sinngeladene Beschäftigung, die Zugehörigkeit, wie in einer großen Familie, zu einer einschlägigen Gemeinschaft, versprachen Identitätserlangung.

War ich doch weitgehend mein ganzes Leben, bis hierher nach Wien, so unterwegs gewesen, dass es egal war, dass von mir als Individuum nicht viel davon übrigblieb.

Eine Beichte diese, die nur für die Dauer des Lesens dieses Satzes gilt – und nicht länger als für heute bis zur guten Nacht.

Der Verlust meiner alten Identität, so stellte es sich heraus, würde mich auf modernere Formen des „Jetzt geht’s (mit Kohärenz und einen Hauch von erreichter Sicherheit) unter die Haut“, einstimmen können.

Ein Haus, fürs Erste nun frei von Identität, war jetzt für wahr mehr ein neuer Körper für mich, als ein Haus.

Etwas war hier in Wien bereits verinnerlicht, fast wie neue Muttermilch, die direkt in diesen meinen neuen Körper griff, und das eben „unter die Haut“ gehend.

Ja, ich war bereit mich zu ändern, dies dauerhaft und endgültig.

Die Frage war, wie dies nun mit Sicherheit schaffen!?: Die Veränderung als nun dauerhaftes Element meiner (neuen) Persönlichkeit. Die jetzt, jetzt möglichst unauslöschlich, in den neuen Gefühlen des Ausdrucks meiner Identität zugeordnet war, damit sie ihren eindeutigen Ausdruck fand.

Gefühle, die heute, wo ich hier schreibe, auch immer noch die gleichen in mir sind.

(…)

Für mich ist mein Schreib-Grund wertvoll und somit wertvollste Inspiration und ich verhalte mich geistig-seelisch ganz schwer neutral zu diesem Werkstoff. Je nach der Mischung der Ur-Substanzen(das folgende entnehme ich jetzt auch aus meinem Tun in der Malerei) ist die Grundierung heller oder dunkler, mehr transparent oder mehr opak, auf jeden Fall aber wird die Fläche atmosphärisch aufgeladen und es ist als würde ich dann in die luftige Unendlichkeit hinein schreiben. Und das ist durchaus kein von malerischen Tatbeständen abgehobener Lyrismus, denn durch die unfassbare Aura meines Geistes-Trägers gewinnt die Schreibebene eine unbestimmbare Tiefe, aus der die Ereignisse und Momente nach vorn, auf „Dich-und-mich-ich-Betrachter zu, sich bewegen, abgelöst vom Grund aus dem sie entsprossen.

In dieser Phase (aber auch in Jeder meiner Absicht) baut sich eine Beziehung auf zwischen mir und der Arena meines unmittelbar bevorstehenden Mitteilens. Das Feld verhält sich nicht neutral: durch die Tönungen liegt eine schwer bestimmbare Stimmung und ein Rhythmus im Äther , die ich assoziativ einzukreisen versuche. Ich antworte auf die vage Andeutung eines Gefühlszustandes mit intensiven reinen aber tiefen Empfindungen. Wenn ich in dieser Färbung und in diesem Ton (Sprach-Ton) drin bin, mische ich mich nicht ein, komme nicht dazwischen, sondern folge nur meinen Empfindungen.  Erlebtes, Verarbeitetes, Überdachtes aus Empfindung, diese Art (wie jede andere einzigartig) von Werdegang, Lebenskorrekturen und Mitteilung et cetera, teilt sich direkt mit, ohne Umwege. Gelebtes reflektiert meine Welt-Erfahrung, und sie ist schon deshalb immer abgeleitet, also gefärbt, von der Wirklichkeit.

Die formalen Bildhaften Zitate nicht (unbedingt) als Erinnerung an unbeschwerte, oder andere, Tage, liegen die Schwerpunkte nicht ausschließlich im Autobiografischen; die (Art der)Sprache markiert eher das Erreichen  eines differenten, differenzierten Reflektionsniveaus , an dem ich die Betrachter einer/dieser eigenwilligen Geschichte, auf möglichst direktem Wege, einlade teilzuhaben, einlade, Inhalte ihrer ganz eigenen Lebens-Geschichte womöglich wiederzufinden.

Es ist ein trachten aufzufordern, an einem Diskurs über das menschliche Sein teilzunehmen , balancieren auf unwegsame Klippen , auch die der  zwischenmenschlichen Beziehungen, sowie  die der – eventuellen – Beziehung zu höheren und letzten großen Fragen. Ein Einladen den Leser auch, sich über das Soziale und den Politischen, den Ökologischen(im weitesten Sinn des Wortes), Dingen seine ganz eigenen Gedanken machen.

Diese tastende Annäherung an die, besser gesagt an eine, Sinnfrage , welche auch aufblitzende Selbstironie nicht verleugnen will , sondern auslebt , soll das Geschriebene, in der Intention , um eine neue Dimension bereichern und ihnen eine eigenwillige Tiefe verleihen, den (Lebens) Code, die (wie hier meine) Lebenssyntax um mehrere Ebenen erweitern.

Alles -wo auch immer- spielt sich auf der Ebene der Emotionen und Gefühle ab; da wird die Aussage und die Fassade und alles still und einfach und authentisch , um zu erkennen , dass der Weg für alle ein alleiniger, das heißt nicht unbedingt ein Einsamer, ist – der Weg mit seinen Widerständen; Widerstände die sinnlich, uns alle zum Weiter-Schreiten oder auch kreativ Innehalten treiben.

( . . . )
in progress

Ivo Rossi Sief  (Ivo R Sief-Røten), am 25.04.2019

 

ich ..... reith

 

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